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Fremdenlegion

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel beschreibt die französische Truppe; für die spanische Einheit siehe Spanische Legion
Fremdenlegion
Légion Étrangère
Grenade legion.svg
Siebenflammige Granate: Abzeichen der Légion Étrangère
Aufstellung
10. März 1831
Land
Frankreich Frankreich
Streitkräfte
Les forces armées françaises
Teilstreitkraft
Armée de Terre
Grobgliederung
Siehe Organisation
Stärke
7.699 Mann
Garnisonen
siehe Organisation
Motto
„Legio Patria Nostra“ (Latein Die Legion ist unser Vaterland)
„Honneur et Fidélité“ (Französisch Ehre und Treue)
Farben
Rouge et Vert (Rot und Grün)
Marsch
Le Boudin
Jahrestage
30. April (Gefecht von Camerone)
Kommandeur
Kommandeur
Brigadegeneral Alain Bouquin
Wichtige
Kommandeure

General Rollet (genannt: „Vater der Legion“)

Insignien
Kopfbedeckung
Képi Blanc

Die Fremdenlegion (frz.: Légion Étrangère) ist eine militärische Einheit aus Freiwilligen aus 136 Nationen[1], die als Zeitsoldaten Dienst in den französischen Streitkräften leisten. Sie gehört damit zum französischen Heer. Die Fremdenlegionäre sind im Sinne des Völkerrechts reguläre Soldaten der französischen Armee, auch wenn sie manchmal und fälschlicherweise als Söldner wahrgenommen werden.

Die französische Fremdenlegion wurde am 10. März 1831 durch einen Erlass von König Louis-Philippe gegründet, um vor allem die afrikanischen Kolonien Frankreichs abzusichern. Sie untersteht seit ihrer Gründung unmittelbar dem jeweiligen französischen Staatsoberhaupt, in der Französischen Republik also dem Staatspräsidenten. Ihr erster Oberbefehlshaber war der Schweizer Oberst Stoffel aus Arbon.[2] Die Truppe umfasste früher, in der Zeit bis kurz nach dem Algerienkrieg, bis zu 35.000 Mann, und wurde danach kontinuierlich auf eine heutige Stärke von rund 7.700 Mann reduziert[3]. Seit ihrem Bestehen haben laut einer Ansprache von Colonel Morellon mehr als 600.000 Mann aus aller Welt bis Ende der 1980er Jahre in der Légion Étrangère gedient. Über 36.000 sind in Einsätzen gefallen.

Inhaltsverzeichnis


Geschichte


Die französische Fremdenlegion wurde am 9. März 1831 von König Louis Philippe in der Nachfolge diverser Vorläuferregimenter ins Leben gerufen. Eines dieser Regimenter war das Régiment de Hohenlohe unter dem Kommando von Ludwig Aloys von Hohenlohe-Bartenstein im Dienste französischer Royalisten zur Zeit der französischen Revolutionskriege, das später vom französischen König Charles X. übernommen wurde. Der erste Kommandant war der Schweizer Christoph Anton Stoffel aus Arbon TG. Da Frankreich die Kolonialisierung von Algerien plante, brauchte es Truppen für dieses Unternehmen. Zur selben Zeit hatten sich viele Ausländer in Frankreich, überwiegend in Paris, angesiedelt. Mit der Aufstellung der Legion bekam König Louis Philippe die nötigen Truppen und konnte zugleich eine unerwünschte Bevölkerungsschicht reduzieren, weshalb er auch am nächsten Tag per Dekret das Gesetz vom 9. März 1831 (la Loi du 9 mars 1831) offiziell bestätigen ließ, wonach die Fremdenlegion nur außerhalb der kontinentalen Grenzen des Königreichs eingesetzt werden dürfe. Am 5. November 1854 nahm die Legion an der Schlacht von Inkerman teil, einem Schauplatz des Krimkrieges. Die Fremdenlegion kam während der meisten französischen Kolonialkriege zum Einsatz.

1870 begann der deutsch-französischen Krieg. Aus vielen Ländern kamen Freiwillige in die Rekrutierungsstellen der Fremdenlegion entlang der Staatsgrenzen, um sich der Fremdenlegion anzuschließen und Frankreich zu verteidigen. Ab 1883 wurde die Legion auch in Übersee eingesetzt. Sie war an allen wichtigen Schauplätzen an allen Ecken und Enden der Welt wo Frankreichs Interessen zu vertreten waren, präsent. Tonkin (1883-1940), Formosa (1885), Sudan (1892-1893), Dahomey (1892-1894), Siam (1893-1897), Madagaskar (1895-1905) sowie Marokko (1900-1934).

Der Ruf der Legion schon zu dieser Zeit lässt sich wohl mit der Forderung des Generals Joseph Gallieni, welcher bestimmt war, das Expeditionscorps auf Madagaskar zu führen und folgende Forderung stellte, am besten verdeutlichen:

Ich verlange, dass mir 600 Mann der Fremdenlegion mitgegeben werden um – sollte es so weit kommen - ehrenvoll und angemessen fallen zu können

Joseph Gallieni

Die Legion hat mit dem ehemaligem Régiment de Marche de la Légion Etrangère" ( R.M.L.E.), heute das 3. Infanterie-Fremdenregiment (3.REI) das höchst dekorierte Regiment der französischen Streitkräfte in seiner ursprünglichen Form. Das Régiment d'Infanterie Coloniale du Maroc (RICM) hat genauso viele Verdienste wie das 3.REI, existiert aber heute nicht mehr in seiner ursprünglichen Form auf Basis von Marokkanern und heißt heute Régiment d'infanterie-chars de marine. Es ist heute ein leichtes Panzerregiment. Mit dem RICM ist das RMLE das meist dekorierte Regiment in Frankreich.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges war der größte Teil der ursprünglichen Fremdenlegionäre mit Bauarbeiten in Marokko beschäftigt. Die meisten von ihnen, die aus Zentraleuropa stammten, wurden nicht nach Frankreich an die verschiedenen Fronten geschickt. Sie blieben in Marokko, um die Bauarbeiten weiter voranzutreiben. Dennoch wurden für den Einsatz im 1. Weltkrieg mehrere Marschregimenter gegründet

August 1914 haben sich Tausende von Ausländern in Frankreich oder in den Kolonien bei der Fremdenlegion als Freiwillige beworben, die bereit waren für Frankreich zu kämpfen und zu sterben. Es wurden insgesamt 42.883 Freiwillige mit 52 Nationalitäten, die zumeist Russen, Italiener, Schweizer, Belgier und Briten waren, aus denen sich dann diese fünf Marschregimenter herausbildeten.

Nach schweren Verlusten dieser Einheiten, zumeist durch die Rückkehr der meisten ersten Freiwilligen in ihre Herkunftsländer, entschied der Kommandant Rollet, am 11. November 1915, die Schaffung von RMLE. Alle Legionseinheiten an der Westfront wurden reorganisiert und in ein einziges "Marsch Regiment" gebündelt, genannt wurde dieses Regiment dann Régiment de Marche de la Légion Etrangère, auch kurz als RMLE genannt. Eingesetzt wurde es in Artois, in der Somme und in Verdun.

5.172 Männer starben in Ihren Reihen und etwa 25.000 Mann wurden als vermisst oder verletzt aufgeführt. Dies ist ein Ausfall von 70% des Stammpersonals während des ersten Weltkrieges. Als der Krieg zu Ende ging, war das RMLE das zweit höchst dekorierte Regiment der französischen Armee und das höchst dekorierte Regiment der Fremdenlegion.

Dem R.M.L.E. unter der Führung von Colonel Rollet gelang es am 14. September 1918, als erster französischen Einheit überhaupt, die bis dahin als unüberwindlich geltende "Hindenburglinie" zu durchbrechen und somit entscheidend an der deutschen Niederlage des 1. Weltkrieges mitzuwirken.

Die größte Niederlage ihrer Geschichte erlitt „die Legion“ 1954 in Indochina, als eine Kampfgruppe in der Schlacht von Điện Biên Phủ aufgerieben wurde.

Die Überlebenden von Điện Biên Phủ erzählten von der Schlacht, vom Versagen der Führung, von der schrecklichen Überraschung, als plötzlich Artilleriefeuer auf ihre unzureichenden Stellungen trommelte. Ein Thai-Bataillon war sofort übergelaufen. Die übrigen farbigen Truppen hatten sich passiv verhalten und Deckung gesucht. Wirklich gekämpft bis zum letzten Erdloch und bis aufs Messer hatten lediglich die französischen Fallschirmjäger und die Fremdenlegionäre, zu 80 % Deutsche, seien zum Sterben angetreten wie in einer mythischen Gotenschlacht.

Peter Scholl-Latour: Der Tod im Reisfeld – 30 Jahre Krieg in Indochina

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren über zwei Drittel der Legionäre Deutsche, 2006 waren es nur noch rund zwei Prozent. Derzeit stellen Osteuropäer mit rund einem Drittel die größte Gruppe unter den Legionären, gefolgt von einem Viertel Südamerikaner. Rund ein Fünftel der Fremdenlegionäre sind in Wirklichkeit Franzosen, die mit einer neuen Identität ausgestattet werden und fortan als Kanadier, Belgier, Schweizer, Luxemburger oder Monegassen dienen. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine diskrete Anweisung Charles de Gaulles. Diese erlaubte Franzosen, die während des Zweiten Weltkrieges in der 33. SS-Division „Charlemagne“ gedient hatten, sich durch den Dienst in der Legion zu rehabilitieren. [4]

Auf einer Gedenktafel im Hauptquartier der Fremdenlegion in Aubagne bei Marseille sind die Kriegsschauplätze, auf denen die Legion eingesetzt war, aufgeführt:


Franzose durch vergossenes Blut

Qui sait si l'inconnu qui dort sous l'Arche immense,
Mêlant sa gloire épique aux orgueils du passé,
N'est pas cet étranger devenu fils de France
Non par le sang reçu mais par le sang versé ?

Wer weiß, ob der Unbekannte,
der unter dem gewaltigen Himmelsbogen ruht,
jener Fremde ist, der seine Ehre mit dem Dünkel der
Vergangenheit vermischte,
ein Sohn Frankreichs wurde.
Nicht durch empfangenes, sondern durch vergossenes Blut?

Pascal Bonetti (Offz. Legion)

La nationalité française est conférée par décret, sur proposition du ministre de la défense, à tout étranger engagé dans les armées françaises qui a été blessé en mission au cours ou à l'occasion d'un engagement opérationnel et qui en fait la demande.

– Article 21-14-1, Loi N°99-1141 du 29 décembre 1999

Fremdenlegionäre können per Gesetz durch vergossenes Blut im Einsatz die französische Staatsbürgerschaft erhalten, auf Vorschlag des französischen Verteidigungsministers.

Auftrag

Heute wird die Fremdenlegion weltweit dort eingesetzt, wo der französische Staat seine Interessen militärisch wahrt oder verteidigt, sei es mit UN-Mandat, unter NATO-Oberbefehl, mit EU-Mandat, oder um französische Staatsbürger aus Gefahr zu retten oder historischen Verpflichtungen nachzukommen (Beispiel Elfenbeinküste). Dabei ist der Einsatz der Fremdenlegion völkerrechtlich nicht anders zu bewerten als der des Militärs anderer souveräner Staaten auch.

Die Ausrichtung und der militärische Zweck haben sich von der einstigen Kolonial- zu einer Kriseninterventionstruppe und schnellen Eingreifreserve gewandelt, die auch zum Teil über die besonderen Fähigkeiten von Spezialeinheiten verfügt, wie Kommandoeinsätze, Häuserkampf, Terrorismusbekämpfung und Fernaufklärung. Diese sind in den jeweiligen Kompanien und Kommandogruppen / -einheiten konzentriert, die wiederum bei Bedarf den französischen Sondereinsatzkräften (COS) unterstellt werden.

Es ist auch anzumerken, dass viele Einheiten der Legion keine speziellen Namen haben und beim franz. Oberkommando nicht als Spezialeinheiten gesehen werden. Vielmehr sind alle Einheiten der Legion als klassische Special Purpose Forces (Fallschirm/-Infanterie Spezialzüge) anzusehen. Sie werden nur bei Bedarf den Spezialeinheiten (COS) unterstellt.

Ständige Haupteinsatzgebiete finden sich heute in Kourou (Objektschutz am Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana durch das "3ème Régiment Étranger d'Infantrie" - unterstützt von Einheiten anderer Regimenter der Fremdenlegion sowie der regulären französischen Armee) sowie in Dschibuti am Horn von Afrika. Legionäre werden nicht mehr wie früher ausschließlich in Kriegen, sondern überwiegend zur Kriegsverhinderung im Rahmen von UN- oder NATO-Missionen (z. B. in Bosnien, Kosovo, Afghanistan), zur Friedenschaffung und -erhaltung, zur Rettung gefährdeter Menschen, zu humanitärer Hilfe, zur Wiederherstellung von Infrastruktur (z. B. im Libanon 2006) und zur Katastrophenhilfe (z. B. nach dem Tsunami 2004 in Südostasien) eingesetzt.

Organisation

Für verschiedene, spezialisierte Einsätze, verfügt die Legion über entsprechende Einheiten wie Panzer-, Infanterie-, Pionier- und Führungstruppen. Die Mannstärke der Legion beträgt zurzeit 7699 Mann, davon 413 Offiziere, 1741 Unteroffiziere und 5545 Mannschaftsdienstgrade.[1]

Die Legion besteht gegenwärtig aus 11 Regimentern [1], die wie folgt gegliedert sind:

  • Oberkommando der Fremdenlegion (COMLE) und 1. Fremdenregiment (1° RE), stationiert in Aubagne (Südfrankreich)
  • 4. Fremdenregiment (4° RE), stationiert in Castelnaudary (Südfrankreich), Ausbildungsregiment für alle zukünftigen Fremdenlegionäre
  • 1. Kavallerie-Fremdenregiment (1° REC), stationiert in Orange (Südfrankreich)
  • 1. Pionier-Fremdenregiment (1° REG), stationiert in Laudun (Südfrankreich)
    • PAT: Binnengewässer- und Strandaufklärer, Kampfschwimmer und Kampftaucher
    • NEDEX: Minenräumung
  • 2. Pionier-Fremdenregiment (2° REG), stationiert in Saint Christol (Südfrankreich)
    • Detachement d'Intervention Operationnelle Subaquatique (DINOPS): Binnengewässer- und Strandaufklärer, Kampfschwimmer und Kampftaucher (Detachement ist als Bataillon klassifiziert).
    • GRIN: Minenräumung
    • GCM2: Gebirgskampfspezialisten
  • 2. Infanterie-Fremdenregiment (2° REI), stationiert in Nîmes (Südfrankreich)
    • STE: Panzer- und Personen-Scharfschützen
  • 3. Infanterie-Fremdenregiment (3° REI), stationiert in Französisch-Guayana (Südamerika)
    • 2. Kompanie: Dschungelkampf
  • 2. Fallschirmjäger-Fremdenregiment (2° REP), stationiert in Calvi auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika
    • 3. Kompanie: amphibische Kompanie
    • 4. Kompanie: Scharfschützen und Saboteure
    • GCP: Kommandoeinheit, Terroristenbekämpfung
  • 13. Halbbrigade der Fremdenlegion (13° DBLE), stationiert in Dschibuti (Ostafrika)
  • Abteilung der Fremdenlegion auf der Insel Mayotte (DLEM) im Indischen Ozean
AbkürzungFranzösischer NameDeutsche Übersetzung
COMLECommandement de la Légion étrangèreOberkommando der Fremdenlegion
RERégiment étrangerFremdenregiment
RECRégiment étranger de cavalerieKavallerie-Fremdenregiment
REGRégiment étranger de géniePionier-Fremdenregiment
REPRégiment étranger de parachutistes Fallschirmjäger-Fremdenregiment
PATPlongeurs de l'armée de terreTaucher der Landstreitkräfte
DINOPSDétachement d'intervention opérationelle subaquatique„Kampfschwimmer(-taucher)-Eingreif-Abteilung“
NEDEXNeutralisation des explosifsNeutralisierung von Explosivstoffen
GRINGroupe régional d'intervention nedexRegionale Eingreifgruppe zur Neutralisierung von Explosivstoffen
CGM2Groupe commando montagne du 2° REGGebirgskommandogruppe des 2. REG
STESection de tireurs d'éliteEliteschützenabteilung
GCPGroupement des commandos parachutistesFallschirmjäger-Kommandogruppe

Dabei sind die Stärken der einzelnen Regimenter höchst unterschiedlich, die Bezeichnung Regiment hat mehr historische Gründe und entspricht nicht den bei anderen Regimentern üblichen Stärken und Gliederungsverhältnissen. Das 2° REI ist das derzeit personalstärkste Regiment der Fremdenlegion.

Mitte der 1990er Jahre befanden sich sechs der neun Regimenter in Frankreich und waren größtenteils der regulären französischen Armee unterstellt und Teil der schnellen Eingreiftruppe FAR (Force d’Action Rapide), heute: CFAT (Commandement de la Force d’Action Terrestre).

Die Militärpolizei ist die Police Militaire (PM) und ist an jedem Standort vertreten. Ihre Angehörigen tragen links eine Armbinde mit weißen Lettern auf rotem Grund.

Rekrutierung und Ausbildung

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Die Legion unterhält derzeit in Frankreich neun Rekrutierungsbüros (PRLE), ein Informations-/Vorauswahl-Zentrum in Paris (PILE Nord und Centre de Présélection Nord) und das Auswahlzentrum in Aubagne. Nach französischem Recht dürfen diensttaugliche Männer jeglicher Nationalität im Alter von 17 bis 40 Jahren angeworben und rekrutiert werden. Die meisten Mannschaftsdienstgrade sind heute Personen aus Osteuropa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Doch hier sind nach neueren Informationen die Zahlen rückläufig, während immer mehr Bewerber aus Amerika und Asien zur Fremdenlegion drängen.

Zunächst verpflichtet sich der bestätigte Rekrut im Rahmen eines Erstvertrages auf eine fünfjährige Dienstzeit. Nach Ablauf dieses Engagements besteht die Möglichkeit, in weiteren Zeitverträgen über sechs Monate, drei und fünf Jahre Laufzeit zu verlängern.[5]

In Deutschland ist nach § 109h StGB eine Anwerbung für die Fremdenlegion strafbar. Darüber hinaus kann der Dienst von Deutschen in der Fremdenlegion einen Verstoß gegen die deutsche Wehrpflicht bedeuten, sofern sie der Wehrüberwachung in Deutschland unterliegen. Des Weiteren verlieren Deutsche, die in der Fremdenlegion dienen, die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn sie zusätzlich auch französische Staatsbürger sind (gem. § 28 Staatsangehörigkeitsgesetz). Das schweizerische Militärstrafgesetz von 1927 (Art. 94) verbietet Schweizern den Dienst in der Legion. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bis zu 240 Schweizer pro Jahr nach ihrer Rückkehr in die Schweiz verurteilt. In den letzten Jahren waren es nur noch rund fünf Personen pro Jahr. Seit Gründung der Fremdenlegion dürften über 60.000 Schweizer in der Legion gedient haben. Eine genaue Statistik existiert nicht. In Österreich bedeutet der Eintritt, laut Staatsbürgerschaftsgesetz, den Verlust der österreichischen Staatsbürgerschaft (Eintritt in den Militärdienst eines fremden Staates). 1995 wurden von 6000 Bewerbern rund 1200 in den Dienst übernommen.

In den Anfängen der Legion wurde die Identität des Bewerbers nicht oder nur oberflächlich geprüft. Heute werden Bewerber für die EVs (Engagés Volontaires = freiwillige Bewerber) eingehend sicherheitsüberprüft und mehrere Wochen lang gründlich medizinisch und psychologisch untersucht. Diese Tests werden teilweise schon in den Rekrutierungsbüros vorgenommen. Bleibt der angehende Volontär weiter in Bewerbung wird er bei erster Eignung für den Dienst in der Fremdenlegion nach Aubagne bei Marseille geschickt, wo die Bewerbung fortgesetzt wird. Die Befragungen der Kandidaten finden beim der DSPLE (Division Statistiques et Protection du Personnel de la Légion Étrangère) statt, die sich ebenfalls in Aubagne befindet. Während des Auswahlverfahrens werden die Bewerber bereits zu Arbeiten für die Legion herangezogen.

Grundsätzlich wird heute jedem Legionär eine neue Identität zugewiesen, die vor Anfragen und Auskunftsersuchen schützen soll. Dieses sogenannte Anonymat beinhaltet einen neuen Vor- und Familiennamen, neue Elternnamen, einen neuen Geburtsort, ein neues Geburtsdatum und wird auch im Dienstausweis (Carte d’identité militaire) des Legionärs eingetragen. Spätestens mit dem Austritt aus der Fremdenlegion erlischt diese falsche Identität, sofern der Legionär nicht französischer Staatsbürger geworden ist und den Namen behalten will. Bei einer kriminellen Vergangenheit wird dem Wunsch generell nicht entsprochen. Viele Legionäre im aktiven Dienst beantragen nach Erreichen des 1CL das Führen ihres richtigen Namens.

Die Auswahlkriterien für die Bewerber sind im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Die Ausbildungsmethodik und der grundsätzliche didaktische Ansatz geht, wie bei vielen vergleichbaren Verbänden dahin, die Rekruten über ihre körperlichen, psyschichen und geistigen Leistungsgrenzen hinaus zu bringen. Dabei wird darauf geachtet, die Truppe als Ganzes zu einem Team einzuspielen.

Dienstzeit

Die kürzeste Verpflichtungszeit in der Fremdenlegion beträgt fünf Jahre. Ein Unteroffiziersdienstgrad kann erreicht werden; für den Zugang zur Offizierslaufbahn ist die französische Staatsbürgerschaft erforderlich, doch kommen die Offiziere zu 90 Prozent aus dem französischen Heer und dienen für eine bestimmte Zeit in der Legion.

Nach drei Jahren Dienstzeit können Fremdenlegionäre die französische Staatsbürgerschaft erwerben. Faktisch bleibt der Fremdenlegionär aber so lange Ausländer, bis er mindestens die in seinem Vertrag verlangten fünf Jahre Dienst geleistet hat und dann einen Anspruch auf eine zehnjährige Aufenthaltserlaubnis für Frankreich bekommt. Zu Beginn der Dienstzeit wird jeder Legionär lebensversichert, als Begünstigten kann der Soldat jede Person seines Vertrauens angeben. Legionäre dürfen heiraten, wenn sie a) ihre wahre Identität wiederhergestellt haben (frühestens nach einem Jahr Dienstzeit auf Antrag) und b) sie entweder den Rang eines Unteroffiziers (z. B. Sergent, Sergent-chef, Adjudant, Adjudant-chef) oder einen höheren Mannschaftsdienstgrad (Caporal-chef oder Caporal) bei einer Mindestdienstzeit von sieben Jahren bekleiden oder c) als Légionnaire de 1ère classe (Gefreiter) mindestens zehn Jahre gedient haben.

Nach 20 Jahren (früher 15, dann 17,5 Jahre) Dienst bekommt der Legionär eine lebenslange Pension ausgezahlt, die auch ins Ausland bezahlt werden kann. Neben der Pension unterhält der französische Staat spezielle „Altenheime“ für Veteranen, die nur für Legionäre zugänglich sind. Die größte Einrichtung ist das Invalidenheim I.I.L.E. (Institution des Invalides de la Légion Étrangère) der Fremdenlegion im südfranzösischen Puyloubier.

Dienstgrade

Hommes du rang/Mannschaften

  • Legionaire de 2ème classe
  • Legionaire de 1ère classe
  • Caporal/Brigadier (1°REC)
  • Caporal-chef/Brigadier-chef (1°REC)

Sous-officiers/Unteroffiziere

  • Sergent
  • Sergent-chef
  • Adjudant
  • Adjudant-chef
  • Major (nicht entsprechend dem Dienstgrad Major in der Bundeswehr*)

Officiers subalternes/Offiziere

  • Aspirant (Offiziersanwärter)
  • Sous-Lieutenant
  • Lieutenant
  • Capitaine

Officiers supérieurs/Stabsoffiziere

  • Commandant/Chef de Bataillon (CdB)
  • Lieutenant-Colonel
  • Colonel

Officiers généraux/Generäle

  • Général de Brigade/Général de brigade aérienne

Ausrüstung

Die Fremdenlegion benutzt die gleichen Waffen wie die französische Armee, Spezialeinheiten verwenden unter Umständen auch andere Modelle.[6] Hierzu gehören das Sturmgewehr vom Typ FAMAS 5,56 mm, das Maschinengewehr FN Minimi (M249 SAW), Modell 1952 lMG (7,5 mm × 54), Mörser, Maschinenkanone M 621, leichte Panzerabwehrwaffe LRAC F1, leichte Boden-Boden-Panzerabwehrlenkwaffe MILAN sowie das Panzerabwehrraketensystem HOT.

Am Boden wird ihre Mobilität durch Fahrzeuge der Typen VAB, FL 501, VLTT P4, Hotchkiss und AMX-10 sichergestellt.

Traditionen

Unverwechselbares Erkennungszeichen der Fremdenlegionäre ist das weiße Käppi („Képi blanc“), welches jedoch nur von Mannschaftsdienstgraden (Légionnaire de 2ème classe, Légionnaire de 1ère classe, Caporal und Caporal-Chef) getragen wird. Die Barettfarbe in der Legion ist grün (Béret vert) und das Barettabzeichen (Insigne béret) wird – wie fast in der gesamten französischen Armee – rechts getragen. Das Wappen der Legion ist eine siebenflammige Granate, die auf das unmittelbare Vorgängerregiment, das Regiment Hohenlohe, zurückgeht. Die Farben der Legion sind Grün und Rot. (Grün symbolisiert das Land, Rot das Blut. Befindet sich ein Truppenteil der Legion im Kampfeinsatz, so wird dort der dreieckige Wimpel der Legion mit der roten Farbe nach oben aufgehängt: „Blut auf dem Land“).

Für die Fremdenlegion können sich ausschließlich Männer bewerben. Susan Travers ist die einzige Frau, die offiziell im Dienste der Fremdenlegion je tätig war.

Das Motto der Legion lautet: Legio Patria Nostra (Die Legion ist unser Vaterland).

Eine Eigenart der Fremdenlegion ist das Lied „Le Boudin“, das, wenn währenddessen nicht marschiert wird, stets in „habt acht!“ gesungen wird.

Ebenfalls unverkennbar ist der typische Schritt der Legionäre beim Marschieren. Während die anderen Armee-Einheiten mit 110 Schritten pro Minute marschieren, werden in der Legion nur 88 Schritte in der Minute zurückgelegt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in den afrikanischen Einsatzgebieten oft durch sandiges Gebiet marschiert werden musste, was bei einem schnellen Marschtempo sehr kräftezehrend ist. Am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, zählt die Fremdenlegion immer zu den meist beklatschten Einheiten. Durch ihren langsamen Marsch defiliert die Legion immer am Ende der Fußtruppen über die Champs-Élysées, die berühmte Prachtstraße in Paris, angeführt von der Musikformation der Legion und den vollbärtigen Pionieren, die in ihrer traditionellen Paradeuniform (Lederschürze, weiße Handschuhe und Schnürsenkel) und mit geschulterter Axt an der Ehrentribüne vorbeiziehen.

Der größte Festtag der Legion ist der 30. April, an dem alle Truppenteile der Legion alljährlich des Kampfes um Camerone gedenken, der am 30. April 1863 in einer mexikanischen Hazienda stattfand. Dort konnten sich drei Offiziere und 62 Legionäre einen Tag lang gegen 2.000 mexikanische Soldaten behaupten. Die letzten sechs noch kampffähigen Legionäre (Sous-Lieutenant Maudet, Caporal Maine, die Legionäre Catteau, Wensel, Constantin und Leonhard) kämpften schließlich ohne Munition und nur mit aufgepflanztem Bajonett weiter. Die letzten zwei Legionäre unter dem Kommando von Caporal Maine kapitulierten nur unter der Bedingung, ihre Waffen behalten und sich um ihre gefallenen Kameraden kümmern zu dürfen. Camerone gilt in der Fremdenlegion als Symbol für den Kampf bis zur letzten Patrone und, wenn es sein muss, bis zum letzten Mann, zur Erfüllung eines gegebenen Wortes und erhaltener Aufträge.

Die Legion hat zwei wichtige Reliquien: Das Legionärsdenkmal (Monument aux morts) im Hauptquartier der Fremdenlegion im südfranzösischen Aubagne, welches im Jahre 1962 mit dem Ende des Algerienkrieges und dem damit verbundenen Abzug der Legion aus Sidi bel Abbès (Algerien) nach Frankreich überführt wurde und die hölzerne Handprothese des in Camerone gefallenen Capitaine Danjou. Sie wird in Aubagne jedes Jahr am 30. April im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Gedenken an die 1863 stattgefundene Schlacht von Camerone von einem eigens ausgesuchten ehemaligen Fremdenlegionär zum Legionärsdenkmal auf dem Paradeplatz getragen.

Kameradschaft

Auch wenn der Anteil der Deutschen in der Fremdenlegion aktuell bei nur zwei bis drei Prozent liegt, gibt es in Deutschland mehrere Kameradschaften ehemaliger Fremdenlegionäre (Amicale des Anciens de la Légion étrangère), die zum größten Teil aus Legionären bestehen, die in Indochina und Algerien gedient haben. Sie treffen sich regelmäßig in eigenen Vereinslokalen und pflegen die Traditionen der Legion. Auch werden Reisen zu verschiedenen Feierlichkeiten in Frankreich organisiert.

In den meisten Amicalen können auch Personen Mitglied werden, die nie in der Legion gedient haben. Diese Sympathisanten haben bei Vorstandswahlen allerdings kein Stimmrecht. Deserteure oder unehrenhaft entlassene Fremdenlegionäre werden nicht aufgenommen. Zu diesem Zweck wird jedes neue Mitglied (sofern es sich um einen ehemaligen Legionär handelt) über den Dachverband Fédération des Sociétés d'Anciens de la Légion Étrangère überprüft. Die derzeit größten Kameradschaften sind die Amicalen Mannheim, Dresden, Berlin, Hannover, Dortmund, Bochum, Frankfurt und Kassel.

Filmische Rezeption

Siehe auch

Literatur

  • Daniel Berger, Christian Portal: Mission profonde en Guyane avec la Légion Etrangère. Edition Grancher, Paris 1984.
  • Paul Bonnecarrère: Frankreichs fremde Söhne - Fremdenlegionäre im Indochina-Krieg. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-01144-1.
  • Douglas Boyd: Die französische Fremdenlegion. Aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Rohweder. E. S. Mittler & Sohn GmbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8132-0873-3.
  • Pierre Dufour: La Légion en Algérie. Editions Lavauzelle, Panazol 2002, ISBN 2-7025-0613-5.
  • Pierre Dufour: La Légion étrangère 1939-1945. Heimdal, Bayeux 2000, ISBN 2-84048-130-8.
  • Pierre Dufour: La Légion étrangère en Indochine 1945-1955. Lavauzelle, Paris 2001, ISBN 2-7025-0483-3.
  • Dominique Farale: Mystérieuse Légion Etrangère de 1831 à nos jours. D.I.E. Paris 2005, ISBN 2-914295-16-2.
  • Thomas Gast: Die Legion - Mit dem 2e Rep in den Krisenherden dieser Erde. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-613-03154-8
  • Peter Hornung: Die Legion - Europas letzte Söldner. Meyster-Verlag, München 1982, ISBN 3-8131-8123-5.
  • David Jordan: Die Geschichte der französischen Fremdenlegion von 1831 bis heute. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-7276-7157-2.
  • Yers Keller: "Die Fallschirmjäger der Fremdenlegion", Motorbuch Verlag Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01902-7.
  • Yers Keller, Frank Fosset: Frankreichs Elite - Legions-Paras und Kommandos, Gendarmerie-Sondereinsatzgruppen GIGN, Kampfschwimmerkommando Hubert. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-02103-X.
  • Peter Macdonald: Fremdenlegion - Ausbildung, Bewaffnung, Einsatz. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01518-8.
  • Volker Mergenthaler: Völkerschau - Kannibalismus - Fremdenlegion. Zur Ästhetik der Transgression (1897-1936). Niemeyer, Tübingen 2005, ISBN 3-484-15109-9.
  • Eckard Michels: Deutsche in der Fremdenlegion. 1870-1965, Mythen und Realitäten. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-74471-2.
  • Etienne de Montety: Des hommes irréguliers. Perrin, Paris 2006, ISBN 2-262-02423-5 (Biographie).
  • Moritz Neumann: Im Zweifel nach Deutschland - Geschichte einer Flucht und Rückkehr. zu Klampen Verlag 2005, ISBN 3-934920-57-8.
  • Franz Rispy: Sie klagen an! Erschütternde Tatsachen geflüchtetere Fremdenlegionäre über die Tragödie in Algerien. Riza-Verlag, Zürich 1958.
  • Erwin Rosen: In der Fremdenlegion. Erinnerungen und Eindrücke. Verlag Lutz, Stuttgart 1909 (Memoirenbibliothek).
  • Hélie de Saint Marc: Asche und Glut. Erinnerungen. Résistance und KZ Buchenwald, Fallschirmjäger der Fremdenlegion. Indochina- und Algerienkrieg. Putsch gegen de Gaulle. 386 S. Mit einem ausführlichen Sach- und Namensregister zu Résistance, Indochina- und Algerienkrieg für den deutschen Leser. Edition Atlantis, Friedberg/Bay. 1998, 2006, ISBN 3-932711-50-5
  • Hélie de Saint Marc: Die Wächter des Abends. 184 S. Edition Atlantis, Friedberg/Bay. 2000, ISBN 3-932711-51-3
  • Guido Schmidt: Der Cafard - Als Fallschirmjäger bei der Fremdenlegion. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01795-4
  • Olivier Stalmann: Die Legionäre - Roman der verlorenen Söhne. Heyne, München 1998, ISBN 3-453-00940-1.
  • Sören Sünkler: Elite- und Spezialeinheiten Europas. Motorbuch Verlag 2008. ISBN 3-613-02853-0.
  • Zbigniew Truszczyński: Afrykańskie wędrówki z Legią Cudzoziemską. Bellona, Warszawa 2002, ISBN 83-11-09386-5

Weblinks

 Commons: Fremdenlegion – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Fremdenlegion – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. a b c Siehe deutsche Rekrutierungshomepage (eingesehen am 30. Mai 2010)
  2. www.peter-eggenberger.ch/fremdenlegion.php (eingesehen am 2. Dezember 2008
  3. legion-recrute.com (eingesehen am 13. September 2009)
  4. http://history.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,7156977,00.html
  5. Falls Annahme, Unterschrift eines Erstvertrags von fünf Jahren mit der Fremdenlegion. Später besteht die Möglichkeit weitere Verträge von sechs Monaten bis drei oder fünf Jahre zu unterschreiben. bei legion-recrute.com (eingesehen am 23. Juli 2008).
  6. www.waffenhq.de − Abschnitt „Waffen und Ausrüstung“
Légion Étrangère 1852
Fremdenlegionäre 1920
Fremdenlegionäre in der traditionellen Paradeuniform
Zwei Scharfschützen der Fremdenlegion in Afghanistan (2005)
Abzeichen des 2° REP, der Spezialeinsatzkomponente der Legion
Parade in Rom, 2. Juni 2007
Monument aux morts
Danjous Handprothese

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